Im Interview: Thorsten Merten

Ein neuer Spreewaldkrimi, der zehnte, um genau zu sein. In diesem Jubiläumskrimi entflammt der Wohnwagen von Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl), welcher dabei schwer verletzt wird. Ob es ein geplanter Mordversuch war, soll Thorsten Merten, alias Polizist Fichte, herausfinden. Ich traf ihn beim ZDF Pressetag in Hamburg.

Am Montag, dem 13. November 2017, wird ein neuer Spreewaldkrimi ausgestrahlt. Können Sie schon etwas über die Thematik verraten?

„ Ich kann nur sagen, dass auf unsere große Hauptrolle, Kommissar Krüger, den ich nicht immer leiden kann, ein Anschlag verübt wird und wir alle die Daumen drücken müssen, ob die Rolle überleben wird. Auf jeden Fall trifft er auf ganz viele Lebende und Tote aus den vorherigen Folgen, was zur Folge hat, dass wir starmäßig eine Besetzungsorgie haben. Außerdem gibt es eine große intime Szene zwischen Fichte und Krüger.“

Was hat Sie besonders am Drehbuch angesprochen?

„Rainer Müller hat einmal aus Macbeth gesagt: „ Auch die Toten sitzen mit am Tisch.“, d.h. Gespenster der Vergangenheit werden wir hier sehen und so etwas habe ich im Deutschen Fernsehen noch nie erlebt. Es ist gruselig, man braucht Nerven, aber es ist eine wundersame Reise.“

Beschreiben Sie Ihre Rolle kurz und knapp!

„Er ist einsam, ein einfacher Mann mit dem Herzen für einfache Leute und er hat ein Verhältnis zu Krüger wie ein mürrischer Papa.“

Wie viel Thorsten Merten steckt in dieser Rolle?

„Ich habe schon sehr viele Rollen gespielt. In manchen habe ich aus Verzweiflung mich selber gespielt, weil mir nichts anderes einfiel. Im Spreewaldkrimi habe ich eine feste Rolle und ich muss sagen, dadurch, dass ich sie bis heute noch nicht ausgeludelt habe und ich nicht weiß, wohin die Reise in den folgenden Teilen gehen wird, bin ich immer wieder überrascht und halte sie an der langen Leine. Vom Dialekt und von der Körperlichkeit her steckt jedoch viel Thorsten Merten in der Rolle.“

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen am Set?

„Die Zusammenarbeit ist großartig! Wir sind eine Familie geworden und darum geht es in der Kunst.“

Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Sie in Ihrem Alltag genauso gehandelt haben wie Ihre Rolle es tun würde? 

„Normalerweise ist der Vorgang sogar umgedreht.  Man sieht die Person, wie sie etwas macht und sucht nach Ähnlichkeiten aus seinem eigenen Leben. Das ist der direkteste Weg, sie am besten zu verstehen. Aber natürlich steckt man in irgendeiner Weise während der Drehzeit in der darzustellenden Person. Selbst wenn ich mich auf sie zu Hause vorbereite, denke ich unentwegt an diese. Ich wasche ab, lese Zeitung und unterhalte mich mit den Nachbarn und ganz nebenbei läuft die Rolle. Andererseits merke ich, wenn ich vier Wochen Urlaub gemacht habe, dass ich spielen muss. Ich werde dann aufgedrehter, lauter und großgestiger.“

Wenn Sie die letzten Teile Revue passieren lassen, welche Veränderungen können Sie feststellen?

„Erstens bin ich älter und zweitens ist Fichte unromantischer und einsamer geworden und das Verhältnis zu Krüger ist nun noch angespannter. Die beiden sind aufeinander angewiesen und sich in ihrer Fremdheit dadurch viel mehr ausgeliefert. Das Verhältnis ist enger geworden, aber nicht besser.“

Was für eine Rolle würden Sie denn gerne noch einmal verkörpern?

„Einen richtigen Traum habe ich nicht. Es geht eigentlich um die Bedingungen. Coole Drehbücher und eine Familie am Set, in der niemand einem anderen etwas beweisen muss. Die Beteiligten müssen sich offen in die Augen gucken können. Wenn das gegeben ist, bin ich glücklich.“

Was macht ein gutes Drehbuch für Sie aus?

„Ein gutes Drehbuch macht für mich aus, dass ich am Anfang nicht weiß, wohin die Reise geht. Die Figuren dürfen nicht erfunden wirken und es sollten nicht ständig neue Türen aufgehen, sondern  eine Situation muss am Laufen gehalten werden.“

Gibt eine Szene, an die Sie sich ein Leben lang erinnern werden?

„Es gibt ein paar merkwürdige Szenen, die aber glücklicherweise dem Schnitt zum Opfer gefallen sind (lach). Bei mir bleiben eher die Momente haften, die nicht gelungen sind, z.B. schlechte und peinliche Situationen. Da hatte ich ein paar Szenen, die leider in Filmen gelandet sind. Diese könnte man nun als Lehrfilme verwenden, um zu verdeutlichen, wie es nicht sein sollte. Jeder muss erst seine Erfahrungen sammeln. Dabei produziert man nicht nur Gold.“

Können Sie für eine Drehpanne ein Beispiel nennen?

„Das Schlimmste, das mir passiert ist, war es, zu einem falschen Film gefahren zu sein. Ich war auf einen anderen Film vorbereitet und stand in einem fremden Drehbuch. Dieses  war ein großes Missverständnis, da es in beiden Büchern um Ärzte ging. Selbst die damalige Agentur hatte es missverstanden. Und ich sollte plötzlich zwei Seiten ärztliches Fachchinesisch aufsagen. Eine zweite Peinlichkeit passierte mir in einem Improfilm. Es gab keine vorgeschriebenen Texte und ich musste mit meiner Filmehefrau eine Szene spielen, in der wir  in eine Wohnung rennen. Ich knallte die Tür zu und vergaß, dass hinter uns noch die Kamera war. Das war mir äußerst peinlich.“

Haben Sie Rituale am Set?

„Ich brauche relativ viel Kaffee und ich versuche immer, zu neuen Kollegen schnell ein persönliches Verhältnis aufzubauen.“

Im Fernsehen laufen unzählige Krimis. Warum sollte man sich unbedingt den neuen Spreewaldkrimi ansehen?

„Ich finde, der Spreewald ist hier nicht die Kulisse. Es gibt etliche Krimis, die vor exotischer Kulisse ablaufen, aber  der Spreewald ist mit seinen Mythen ein entscheidender Mitspieler. Ich finde es großartig, dass die jeweiligen Episodenhauptrollen Zeit haben, sich in ihrer Psychologie zu entwickeln. So kann der Zuschauer Verständnis für die Figur aufbringen. Es wird nicht mit Begriffen wie Gut und Böse gearbeitet, sondern es geht um real menschliches Verhalten.“

Vielen Dank!

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Ein Kommentar zu „Im Interview: Thorsten Merten

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  1. Als ausgewanderte Spreewaldgurke und Krimifan sind die Spreewaldkrimis für mich sehr angenehmes Pflichtprogramm. Ich mag diese mystische Darstellung des Spreewaldes, weil so eine Seite gezeigt wird, die der Besucher kaum wahrnimmt. Die Figuren Fichte und Krüger sind jede für sich und im Zusammenspiel interessant, obwohl Fichte zunehmend an Härte zu gewinnen scheint, was die Unterschiedlichkeit der Charaktere leider ein wenig verwischt. Was ich am Spreewaldkrimi außerdem schätze ist, dass man als Zuschauer dem Täter selbst meist recht spät auf die Spur kommt. Danke für dieses tolle Interview!

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