Bremer Tatort „Zurück ins Licht“

In einem Parkhaus werden ein abgetrennter Finger und ein Auto mit Blutspuren gefunden. Bald darauf wird eine Kiste mit dem Rest des Körpers aus der Weser gefischt. Bei dem Toten handelt es sich um den Pharmahändler Bergener, der schon seit über einem Jahr verschwunden ist. Seiner Frau teilte er per Mail mit, er brauche eine Auszeit. Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ermitteln in einem höchst verzwickten Fall. Dabei steht nicht nur die Ehefrau Judith Bergener (Victoria Fleer) unter Verdacht, sondern auch die karrieresüchtige und äußerst ehrgeizige Maria Voss (Nadeshda Brennicke), die ebenfalls in der Pharmabranche tätig ist.

Ein ganz außergewöhnlicher Tatort, denn hier geht es nicht nur um die Aufklärung eines Mordfalls, sondern auch um Zwischenmenschlichkeit. Nicht ohne Grund erzählt Frau Strelow (Redaktion) vor Beginn der Preview im Cinemaxx, dass dieser Tatort eigentlich „Stedefreund und die Frauen“ heißen müsste. Warum?  Das könnt ihr am 22. Oktober 2017 um 20:15 Uhr in der ARD sehen.

Nach der Vorstellung bekam ich die Möglichkeit, einige der Darsteller zum Interview zu bitten:

Victoria Fleer (Judith Bergener)

Es war Ihr erster Tatort, wie war die Zusammenarbeit mit den Kollegen?

„Ganz, ganz schlimm! (lach) Nein, alle waren ganz offen und warmherzig, die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht.“

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an speziell diesem Bremer Tatort?

„Die Bremer Tatorte haben ganz starke und gute Drehbücher. Ich durfte eine taffe Ehefrau und Mutter spielen. Das hat mich sehr gefreut, denn ich mache ja auch viel Comedy und nun durfte ich eine ernsthafte Figur verkörpern. Nachdem ich den Film selber gesehen habe, muss ich das jetzt erstmal verarbeiten.“

Inwiefern haben Sie sich während der Dreharbeiten mit Ihrer Rolle beschäftigt?

„Ich musste von jetzt auf gleich den Hebel umlegen, weil ich zur selben Zeit Theater gespielt habe und da musste ich direkt sehr fröhlich und lustig sein. Daher blieb mir gar keine Zeit, viel über meine Rolle und die Situation, in der sich meine Rolle befand, nachzudenken.“

Vielen Dank!

„Danke auch.“

Oliver Mommsen (Nils Stedefreund)

Herr Mommsen, was ist das Besondere an diesem Bremer Tatort?

„Boah, das auf den Punkt zu bringen! Wir haben eine ganz starke Hauptfigur, die den Film trägt, Nadeshda Brennicke, die die Maria Voss spielt. An dieser Figur prallen alle anderen ab, reiben sich auf, verletzen sich, haben Träume und sie spielt mit allen wie ein Puppenspieler. Ich finde, der Film hat eine Sogwirkung. Sowohl mit der Kamera, als auch der Musik oder den Soundeffekten ist das alles in eine Richtung getrieben, so dass es einen reinzieht. Der Film fängt sehr stark an und ich habe das Gefühl, dass niemand sagt: „Ja, ok, dann gehe ich mir nochmal ein Bier holen.“ Es könnte sein, dass nach dem Tatort der Wasserverbrauch in Deutschland enorm ansteigt, weil dann endlich alle aufs Klo gehen können. Aber währenddessen glaube ich nicht! (lach) Dieser Tatort kann was!“

Und was war das Besondere an Ihrer Rolle?

„Stedefreund geht weit über sich hinaus. Er, der normalerweise immer funktioniert, funktioniert plötzlich gar nicht. Mit Linda Selb (Louise Wolfram) will er ein Stück weitergehen, das ist für ihn komplettes Neuland. Plötzlich kommt diese andere Frau dann auch noch ins Spiel und verdreht ihm den Kopf. Gleichzeitig ist er dabei, einen Fall zu lösen und muss irgendwie funktionieren, doch das klappt gar nicht mehr. Das ist das tolle für eine Figur, die eigentlich immer funktioniert, diese mal so gegen die Wand zu fahren. Das hat wirklich Spaß gemacht. Man bekommt andere Mosaiksteine aus seinem Charakter und als Schauspieler lernt man etwas Neues über die Figur.“

Denken Sie viel über Ihre Rolle nach Drehschluss nach?

„Allgemein nimmt man den Drehtag schon mit. Es kommt immer darauf an, wie anstrengend der Tag war, ob er schwer oder lustig war. Lustig kann auch total anstrengend sein. Es kann auch mal passieren, dass ich im Hotelzimmer oder zu Hause sitze und zwei Stunden lang gegen die Wand gucke und gar nicht weiß, was mit mir los ist. Irgendwann kommt dann ein  tiefer Seufzer aus dem Inneren und dann geht es weiter. Das liegt aber nicht unbedingt an einer schweren Thematik, zu der hat man den Abstand.  Dieser Schwere lieferst du dich aus in dem Augenblick, in dem du dich mit dem Drehbuch auseinandersetzt. Da suchst du deine Bilder, da suchst du deine Momente, an die du andocken kannst. Beim Drehen ist das Drumherum sehr intensiv, das kann einen schon ganz schön platt machen. Das ist nicht nur in den schweren Szenen so, sondern auch die lustigen Szenen können einen echt auslaugen, wenn man  zwanzigmal die gleiche Szene spielen muss. Am Anfang lachen alle und irgendwann lacht natürlich keiner mehr. Dann wird es technisch und ich denke nur noch: „War das noch witzig oder lag ich voll daneben?“ Diese Momente muss man immer mal wieder abschütteln nach so einem Drehtag.“

Wie haben Sie sich besonders auf diese Rolle jetzt vorbereitet?

„Ich habe mir versucht vorzustellen, wie es bei mir wäre, wenn ich in den Bann eines Menschen geraten würde. Ich habe sehr viele Bilder für mich gesucht, in denen mich etwas fasziniert, wo ich ohne es zu wissen nur vom Bauchgefühl angezogen werde. Ich arbeite mit Fotos, Musik und mit Filmen, die ich mir anschaue. Das war die Grundenergie des Eingesaugtwerdens von dieser Figur. Ich hatte auch ein paar Fotos auf dem Handy, die für mich diese Figur darstellten. Man löst sich dann auch von seinem Partner, mit dem man spielt, denn der spielt vielleicht etwas ganz anderes und hat seine ganz eigenen Vorstellungen. Es kann total schön sein, wenn der eine etwas spielt und der andere etwas ganz anderes sieht. Und das war die Hauptarbeit.“

Sie haben den Film heute Abend ja nicht zum ersten Mal gesehen. Wie kritisch ist man mit sich selber, wenn man den Film fertig sieht?

„Furchtbar, das ist jedes Mal ein Ritt über den Bodensee. Beim ersten Mal ist es wahnsinnig anstrengend. Beim zweiten Mal kannst du schon langsam den Film genießen und dann, wenn du ihn mehrmals guckst, dann siehst du immer mehr Details, die dich ärgern. Das willst du dann beim nächsten Mal alles besser machen. Und dann gibt es natürlich auch manche Szenen, in denen du denkst: Ja, die geht, hab ich gut gemacht. (lach)“

Vielen Dank!

„Ich danke, dann bis zum nächsten Mal.“

Sabine Postel (Inga Lürsen)

Frau Postel, was macht dieser Tatort für Sie aus?

„Dass es zwar wirklich eine private Geschichte ist, diese jedoch sehr viel über unsere Gesellschaft aussagt. Leute, die die Bodenhaftung verlieren, weil sie plötzlich zuviel Geld bekommen, ob das Karrieren von Künstlern ,Fußballern oder Managern sind, die plötzlich in einer Gehaltsliga spielen, von der wir alle nur träumen, dass sie dadurch ganz schnell, auch gerade wenn sie jung sind, die Bodenhaftung verlieren und plötzlich nicht mehr mit dem realen Leben klarkommen. Darin liegt die Schwierigkeit und das hat auch etwas mit unserer Gesellschaft zu tun. Wir definieren uns sehr über Äußerlichkeiten, also über Statussymbole, Klamotten oder Geld.“

Wie sollte Ihrer Meinung nach die Gesellschaft denn handeln, damit es zu solchen Fällen im besten Fall nicht mehr kommt?

„Wir sollten uns alle von Äußerlichkeiten verabschieden. Wenn wir versuchen würden, ein bisschen mehr den Menschen hinter der Fassade zu sehen, wenn die Leute, die diese Positionen haben, vielleicht auch versuchen, ein bisschen bescheidener und geerdeter zu bleiben, dann wäre ja schon viel gewonnen. Aber das wird, denke ich, nicht passieren.“

Wie haben Sie sich auf diesen Tatort vorbereitet?

„Ganz normal, wie bei jedem anderen Tatort auch. Ich lerne brav meine Texte, da die Situation am Set sehr anstrengend ist. Wir drehen viele Szenen im Fluss, also auch mal sechs bis sieben Minuten am Stück, die man im Film dann nur gestückelt sieht. So ein Tag erfordert viel Konzentration, d.h. man muss sich sehr gut vorbereiten. Man muss den Text so verinnerlicht haben, dass man nicht mehr darüber nachdenken muss, sonst wird es für alle nur noch anstrengender als es eh schon ist.“

Super, vielen lieben Dank!

„Danke Ihnen.“

Wir können uns also auf einen spannenden und unterhaltsamen Tatort am 22.10.2017 freuen.

 

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