Im Interview: Christina Hecke

Eine neue ZDF-Samstags-Krimireihe, in der Kriminalhauptkommissarin Judith Mohn (Christina Hecke) ermittelt. Im ersten Teil „In Wahrheit-Mord am Engelsgraben“ wird in einem Fall ermittelt, in dem eine Prostituierte tot in einem Waldstück aufgefunden wird. Die Spur führt ins Fernfahrermilieu. Doch schon vor einigen Jahren verschwand ein junges Mädchen an der Stelle, wo jetzt die Tote gefunden wurde. Der Fall blieb ungeklärt. Judith Mohn begibt sich zusammen mit dem damaligen Ermittler Markus Zerner (Rudolf Kowalski) auf die Suche nach dem Mörder. Ob der Fall gelöst werden kann, können wir am 18. November 2017 im ZDF sehen.

Vorab traf ich Christina Hecke beim ZDF-Pressetag in Hamburg und durfte sie interviewen.

Frau Hecke, worauf darf sich das Publikum freuen?

Besonders im ersten Teil kann sich das Publikum darauf freuen, dass es der Kommissarin wie ein Praktikant folgen kann. Es ist ganz nah dran, ohne dabei in Schock und Ekel gestürzt zu werden, wie bei einem Splatterfilm oder einem Psychothriller. Außerdem bleiben wir dem Titel „In Wahrheit“ treu, denn der Film basiert auf einem echten Fall.

Also ist der Film realitätsnah?

Realitätsnah ist er insofern, als dass die Grundgeschichte, der Mordfall, wirklich so passiert ist. Die fiktionale Aufbereitung ist allerdings, dass es im Film einen zweiten Mordfall gibt. Den gab es in der Realität nicht, darin ist wirklich nur ein Mädchen verschwunden.

Im Film stürzen Sie sich förmlich in Ihre Arbeit, wie ist das im echten Leben?

Genauso! (lach)

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Eine Besonderheit ist, dass ich immer verstehen möchte, was die Figur ausmacht. Wenn ich z.B. eine Ärztin spiele, möchte ich wissen, wie man mit den Instrumenten umgeht, wenn man im OP steht. Ich möchte nicht nur so tun als ob, sondern genau wissen, was ich gerade mache. So war es bei Judith Mohn auch. Ich habe eine Freundin, die hat viele Jahre im Kriminaldauerdienst in Mainz als Kommissarin gearbeitet. Die habe ich sofort angerufen und gefragt: „Wie ist es in diesem Beruf? Wie läuft es wirklich ab?“ Nicht, wie ist die Fernsehrealität, sondern wie ist die Berufsrealität? Das war mir ganz wichtig! Ich habe mich mit ihr auseinandergesetzt und mich dann auch ausbilden lassen. Ich habe mich im Schießen ausbilden lassen und ich habe mir von einer Polizistin die ganzen Handgriffe zeigen lassen, zum Beispiel, wie ich jemanden zu Fall bringe oder wie man damit umgeht, wenn jemand eine Waffe auf einen richtet. Ich wollte meine Rolle so ehrlich wie möglich gestalten.

Kann man nach einem so bedrückenden Film und vielleicht auch Drehtag gut abschalten oder denken Sie viel über Ihre Rolle nach?

Ich denke über meine Rolle dann eigentlich nicht mehr nach. Für mich ist die Ehrlichkeit in der Begegnung mit meinen Kollegen, wenn wir zusammen spielen, also in dem Moment zu sein, alles. Und wenn ein Moment vorbei ist, dann sind auch die Situation und der Tag vorbei. Es gibt Tage, die fordern mich mehr, da brauche ich ein bisschen. Aber mir hilft, dass ich in meinem Leben einen Rhythmus habe. Er holt mich dann sozusagen wieder ab. Ich weiß immer, was jetzt dran ist, wie z.B. Zähneputzen. Dann mache ich das auch ganz bewusst und denke nicht mehr darüber nach, ob der Satz, den ich am Nachmittag am Set gesagt habe, vielleicht blöd geklungen hat.

Haben Sie Rituale am Set?

Ja, also Rituale in dem Sinne, als dass ich eine bestimmte Ernährungsweise einhalte. Ich verzichte auf Zucker und auf Kaffee, also alles, was mich zusätzlich zu dem Stress, der am Set herrscht, aufputschen würde. Das lasse ich in meinem Alltag aber auch sowieso grundsätzlich weg. Ich versuche, die eben genannte Präsenz zu halten. Und alles, was mich aus der Präsenz schmeißt oder zusätzlich schmeißen könnte, versuche ich wegzulassen. Außerdem ist ein Ritual am Set für mich, einfach jeden zu begrüßen, dem ich begegne. Ich möchte mich nicht stoisch auf meinen Filmkanal fokussieren, sondern in der Präsenz bleiben.

Hatten Sie Mitspracherechte bezüglich Ihrer Rolle?

Im ersten Teil waren die Mitspracherechte sehr begrenzt, was einfach daran lag, dass es ein fertiges Drehbuch gab. Es war ein fertiges Produkt, in welches  ich mich einfügen durfte. Jetzt im zweiten Teil ist es alles ein bisschen anders.

Wie viel Christina Hecke steckt in Ihrer Rolle?

Es ist natürlich so, jede Figur speist sich aus meinen Erfahrungen. Ich kann natürlich alles, was ich spiele, nur mit dem Körper spielen, den ich habe, mit der Stimme, die ich habe. Jede Rolle hat natürlich immer einen Teil von mir, sie ist also aus mir geboren. Aber das Schöne ist, Judith Mohn hat einige Charakterzüge, die ich auch habe, Nahbarkeit, einen gewissen Humor und eine gewisse Lässigkeit. Als ich das Drehbuch bekam, habe ich sofort gewusst, Judith und ich passen ganz gut zusammen!

Was hat Sie am Drehbuch gereizt?

Vor allem habe ich mitbekommen, was Judith Mohn für eine Kommissarin ist. Der Blick ist nicht von außen auf eine Kriminalgeschichte gerichtet, sondern ich konnte das Innenleben einer Frau erleben. Außerdem war es durch die Rolle der Judith möglich, dem Publikum zu erzählen, dass eine Kommissarin zu sein nicht heißt, nicht mehr Frau zu sein. Leider gibt es viele Berufe, in denen sich Frauen fügen, ob es bei der Bundeswehr, der Polizei oder in handwerklichen Berufen der Fall ist. Hier haben viele Frauen das Gefühl, sie müssen besonders hart und taff sein. Das finde ich nicht. Ich finde, man kann jeden Beruf ausüben und dabei trotzdem auch seine Durchlässigkeit, Weiblichkeit und seine Sinnlichkeit behalten. Das finde ich an meiner Rolle sehr spannend.

Gibt eine Szene, an die Sie sich ein Leben lang erinnern werden?

Also, es gibt eine Szene mit einem Kollegen, in der ich die Waffe hochreißen und auf ihn zielen musste. Wie gesagt, habe ich vorher Schießen gelernt und als ich es noch nicht konnte, da war eine Waffe für mich eine Attrappe, so ein Ding, welches man mal so in die Luft hält. Aber nachdem ich Schießen gelernt hatte und wusste, dass das ein Mordinstrument ist und ich damit jemanden umbringen kann, bekam eine Waffe für mich eine komplett andere Bedeutung. Tatsächlich einem Kollegen, auch wenn es nur gestellt ist, eine Waffe ins Gesicht zu halten, da hatte ich echt ziemlichen Respekt vor. Es ist zwar in irgendeiner Weise in meinem Unterbewusstsein präsent, aber in dem Moment ist es sehr real. Das werde ich auch nicht vergessen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen?

Super! Ich habe einen ganz, ganz bezaubernden Kollegen, den Robin Sondermann, der meinen Kollegen Freddy spielt. Er ist im Fernsehen noch nicht so bekannt, denn er hat bisher sehr viel Theater gespielt, ist aber ein brillanter Kollege. Und auch mit Rudolf Kowalski, der als älterer Kollege ebenfalls mit dabei ist, war die Zusammenarbeit sehr lustig. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber natürlich auch mit Anna Loos und Christian Berkel. Anna Loos hat ja auch ihre eigene Reihe am Sonntagabend (Helen Dorn), dort war ich schon als BKA Kommissarin im Einsatz und wir sind uns schon einmal begegnet. Es war total schön.

Wenn Sie die Dreharbeiten einmal Revue passieren lassen, welches Fazit ziehen Sie?

Die Dreharbeiten sind am schönsten, wenn man sich wirklich aufeinander einlässt. Dies ist uns gelungen, weil wir eine Reiseproduktion sind, d.h. wir sind alle im Saarland und es kann keiner abends schnell nach Hause fahren, weil der Partner mit dem Essen wartet. Man ist die ganze Zeit zusammen. So haben wir gemeinsam ein ganz schönes Projekt entstehen lassen.

Im Film schauen Sie kritisch hin und haken nach. Wie sieht es im echten Leben aus?

Ja! Ich bin nicht kritisch im negativen Sinne, aber mich interessieren immer die Hintergründe. Auch in den Menschen, denen ich begegne. Ich gebe mich mit der ersten Schablone nicht zufrieden, ich gucke immer ein bisschen genauer hin.

Und nun zum Abschluss: Können Sie in drei Worten sagen, warum man diese Filmreihe unbedingt gucken sollte?

Sie ist ehrlich, authentisch und humorvoll.

Vielen Dank!

Bitte, gerne.

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Ein Kommentar zu „Im Interview: Christina Hecke

Gib deinen ab

  1. Hallo, Carolin!
    Toll, dass du schon so tolle journalistische Beiträge lieferst. Das erinnert mich an meine Tochter Susanne, die ebenfalls sehr früh mit dem Schreiben angefangen hat und ihr Berufsziel durch ihre Ausdauer und Zielstrebigkeit erreicht hat. Viel Glück und Erfolg weiterhin und danke für das „Like“
    Christine von der Anima mea

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